freya oehle, generation y, spottster

„Bald gehören wir alle zur Generation Y“ – Freya Oehle im Interview über Generationen und Personalführung

Vor kurzem habe ich mich auf meinem Blog kritisch mit der so genannten Generation Y  auseinandergesetzt. Zwischenzeitlich habe ich die inspirierende Gründerin von spottster Freya Oehle getroffen und die Diskussion um diese Generation weiter vertieft. Freya ist mit ihren jungen Jahren nicht nur eine mutige und erfolgreiche Unternehmerin sondern auch eine Vertreterin der Generation Y, wie sie die Feuilletons und Personalmagazine lieben  – auch wenn ihr dieses Label nicht wirklich gefällt. Warum das so ist, und was sie über das Stecken von Generationen in Buchstaben-Schubladen denkt, lest ihr hier im Interview.

„Die Generation Y hat keine Krankheit, die an das Geburtsjahr gekoppelt ist“

Hallo Freya. Wie Thomas Sattelberger und ich bist auch Du kein Fan des Begriffs „Generation Y“. Warum nicht?

Zum einen, da dieser Begriff so vielfach falsch interpretiert wurde, dass ich mich noch gut an Zeitungsüberschriften wie „Schlau und Faul“ aus der ZEIT erinnern kann und eine derartige Assoziation, wie sie oft von älteren Generationen angestellt wird, konsequent ablehne, wenn es um meine Person geht.

Zum anderen hat die Zusammenfassung unter Generation Y etwas sehr Begrenztes an sich, als wenn die Altersgruppe der Mitzwanziger heute ein auf sie begrenztes Problem oder eine Krankheit hat, die irgendwie an das Geburtsjahr gekoppelt ist. Wir sehen aber derzeit an der Marktdynamik, dass es sich immer mehr um einen gesamtgesellschaftlichen Wandel in Sachen Verständnis von und Anspruch an Arbeit handelt, der lediglich durch Hinterfragen der heutigen Absolventen (von Goethe wären sie als „Stürmer und Dränger“ bezeichnet worden) angestoßen wurde.

So gesehen sind wir gerade allesamt auf dem besten Wege zu der Generation Y zu gehören und dann ist diese alterstechnische Abgrenzung im Rahmen einer Generation ohnehin hinfällig.

freya oehle, generation y, spottster
Das Team bei spottster: harmonisch und hierarchiefrei. (Bild: © Freya Oehle)

Du selbst bist quasi ein Bilderbuchmitglied der Generation Y: Du arbeitest selbstbestimmt in deinem eigenen Unternehmen und identifizierst dich mit deiner Arbeit, die vor allem Spaß machen soll. Ist so eine Einstellung tatsächlich eine Generationen- oder nicht viel eher eine Typfrage?

Vielleicht ein wenig von beidem. Aber, und ich glaube das ist der entscheidende Punkt, im Vergleich zu unseren Vorgängern sind wir Absolventen heutzutage sehr viel selbstbewusster und risikobereiter, da wir in einer sehr sicheren Umgebung mit gutem Bildungszugang aufgewachsen sind.

Ein selbstbestimmter Typus kann, wenn Arbeit für ihn Absicherung und Grundeinkommen darstellt, auch in einem Angestelltenverhältnis glücklich werden und sich dabei privat entfalten, ohne dies als beklemmend zu empfinden.

Eine Generation hingegen, die Wert schaffen möchte und eigene Ideen umgesetzt sehen will, weil sie Vorbilder wie Steve Jobs oder Richard Branson kennt, eine ganz neue Wissensgrundlage durch Informationszugang hat und mit sich schnell wandelnden Technologien und fortwährender Innovation aufgewachsen ist, empfindet das eher als unnatürlich und unzeitgemäß, da sich die Welt um sie herum permanent entwickelt – das strahlt natürlich ab und ändert die Ansprüche flächendeckend, nicht nur im Einzelfall.

Wie ist die Altersverteilung der spottster-Mitarbeiter? Nur Generation Y oder habt ihr auch ältere Mitarbeiter?

Derzeit haben wir tatsächlich fast nur junge Mitarbeiter im Alter von 20 bis 35 Jahren, was primär auf unser Online-Geschäftsmodell zurückzuführen ist. Alter ist aber kein Einstellungskriterium und wir kriegen immer zunehmender Bewerbungen und Kooperationsanfragen von der Generation 40+, was zeigt, dass der neue Anspruch nicht nur reine Generationssache ist.

freya oehle, generation y, spottster
Zusammen mit Tobias Kempkensteffen hat Freya Oehle spottster gegründet. (Bild: © Freya Oehle)

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern? Gibt es hier generationenbedingtes Konfliktpotenzial?

In keiner Form. Im Gegenteil, wir haben sogar häufiger die Situation, dass die Jüngeren von der Position her über den Älteren stehen und selbst das läuft absolut problemfrei, da die formale Hierarchie im Arbeitsalltag nicht wirklich interessiert – aber wie gesagt, die Betroffenen, über die ich hier rede, gehören sie alle mehr oder minder in die gleiche Generation.

Kann man aus dem Alter von Mitarbeitern unterschiedliche Ansprüche an die Führungskräfte ableiten? Wie verhält man sich als Führungskraft hier geschickt?

Das allerdings. Die Jüngeren brauchen mehr Anleitung, Bestätigung und Einführung und dabei etwas verständiger gestaltete Kommunikation, während die Selbstständigkeit und Direktheit der Kommunikation mit dem Alter sichtlich steigt und man in dem Moment primär (omni-)präsent, motivierend und kollegial wirken muss. Nochmal Ältere als bisher bei uns angestellte Mitarbeiter müssten sich dabei sicherlich erst einmal an die Freiheiten, die man bei uns genießt, gewöhnen, genauso wie an den freundschaftlichen und leicht ironischen Ton oder die diversen Bürospielchen und längeren Bürozeiten, die keinen festgesetzten Rahmen haben.

Hat die Altersstruktur der Mitarbeiter Einfluss auf die Unternehmenskultur – oder ist es nicht viel eher andersherum, also dass Unternehmen sich die Mitarbeiter suchen, die einstellungs- und generationsmäßig in ihre Kultur passen? Welchen Einfluss kann ein einzelner hier Deiner Meinung nach überhaupt nehmen?

Da wir quasi aus dem „Nichts“ kommen und diese Evolution selbst miterleben durften, würde ich definitiv sagen Letzteres! Natürlich haben auch wir als Gründer am Anfang vor allem geschaut, mit wem wir gut zusammenarbeiten können und wer die Motivation mitbringt, in einem StartUp zu arbeiten und richtige Ergebnisse zu schaffen, ohne strikte Rahmenvorgaben. Wir gehen dabei sogar so weit, dass wir sagen, dass persönliche Motivation und Team-Fit ein fachliches Manko mehr als wett machen können, sodass es absolut keine Altersfrage, sondern rein eine Frage der Schaffenskraft und Arbeitsmotivation – und damit eben eine Kulturfrage ist. Denn letztlich macht der Ton der einzelnen die Musik, sodass die Kultur ganz stark von den Menschen im Unternehmen abhängt und nicht anders herum.

Und wenn man mal an den Klassenclown aus der eigenen Schulzeit zurück denkt, dann wird einem, denke ich, recht schnell bewusst, wie viel der einzelne ausmachen kann, sei es durch sein unterhaltsam motivierendes Naturell oder aber weil er den Ruhepol im Affenzirkus bildet – jede Rolle hat da einen Wert.

Freya, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir mit spottster weiterhin viel Erfolg. Ich bin sicher wir werden noch viel von Dir hören.. und das ist gut so!

Über Freya Oehle

freya oehle, generation y, spottster
Freya Oehle, Bilderbuchmitglied der Generation Y. (Bild: © Freya Oehle)

Im Alter von 23 Jahren gründete Freya Oehle den Online Merkzettel spottster.com, der Nutzer über Preisfälle bei gewünschten Produkten informiert. Die Gründung erfolgte dabei direkt im Anschluss an ihren Master in Finance & Accounting, wobei Oehle mehrere Einstiegsangebote von Finanzberatungen und Investmentbanken ausschlug. Heute leitet Oehle zusammen mit ihrem Mitgründer ein Team von neun Mitarbeitern und expandiert mit spottster nach Großbritannien und Frankreich. Dass sie ein hohes Gehalt gegen die Unternehmensgründung in einem Kellerbüro eintauschte, bereut die heute 25-Jährige dabei bisher nicht im Mindesten.

Share

Haben Sie Anmerkungen?

Dann teilen Sie uns diese doch einfach mit Hilfe unserer Kommentarfunktion mit.


Kommentar verfassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.