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Sven Gábor Jánszky im OrgRebellen-Talk #14: „Nur wer sich freiwillig in Krisen begibt, kann Großes schaffen“

Organisationsrebellen-Talk #14 war wieder mal ein Knaller. Ich habe  mich mit einem der bekanntesten Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky in Leipzig getroffen. Sein Think Tank 2b AHEAD ist in einer alten Spinnerei auf einem Fabrikgelände untergebracht. Kein gewöhnliches Büro, sondern ein kreativer Loftraum geprägt mit allen Facetten von Disruption und Kreativität. Außerdem ist Sven Gründer der „Rulebreaker Society“, mit der er die Menschen die Business Regeln brechen und so Neues schaffen zusammenbringt. Ein Gespräch über die Notwendigkeit von Krisen, positiven Größenwahn und warum ihn Michail Gorbatschow inspiriert hat.

Sven Gábor Jánszky ist Deutschlands innovativster Zukunftsforscher

Sven gilt als Deutschlands innovativster Trendforscher und trommelt in diesem Jahr zum 17. Mal mehr als 250 CEOs und Innovationschefs der deutschen Wirtschaft zusammen, um mit ihnen darüber zu diskutieren, wie wir übermorgen leben, arbeiten und einkaufen wollen. Er gilt mit seinen Strategien als „Rulebreaker“.

Demos haben ihn den positiven Größenwahn gelehrt

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Wie sieht die Zukunft wohl aus? (Bild: © Stephan Grabmeier)

Sven Gábor Jánszky ist ein Kind des Ostens und war zur Wende 16 Jahre alt. Im Organisationsrebellen-Talk hat er über seine „Demo-Jahre“ erzählt: „Erst haben wir gegen Honecker demonstriert, später dann gegen den Golfkrieg. Wenn wir keine Lust hatten auf Schule, sind wir zur Nachbarschule gegangen und haben einfach eine Demo organisiert.“ Kurze Zeit später war die Stadt gesperrt, weil 10.000 Menschen auf der Straße waren. Ähnlich wie Hans Reitz aus dem Talk #9 ist Sven ein Rebell durch seine Biografie, das Hinterfragen des Status Quo und das Aufstehen bei Ungerechtigkeit eint beide.

Sven: „Ich lebe den positiven Größenwahn. Die Demos haben mir gezeigt, dass eine Sache funktioniert, wenn man sie genügend fokussiert.“ Kein Wunder, dass er sich mit dem Silicon Valley verbunden fühlt. „Die leben einen ähnlichen Größenwahn.“

Mit 28 kündigte er den sicheren Job bei der ARD und fing von vorne an

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Nach oben: Die Richtung von Sven Gábor Jánszky. (Bild: © Stephan Grabmeier)

Bevor sich Sven Gábor Jánszky über unsere Zukunft Gedanken gemacht hat, hat er zehn Jahre für die ARD als Radio-Journalist gearbeitet: „Mir fehlte mit 28 Jahren nur noch die Position des Programmchefs, doch meine Hörfunkdirektorin sagte mir damals, sogar mit 45 wird man in der ARD so etwas nicht.“ Damit stand für Sven fest: „Ich kündige.“

„Ich musste von vorne anfangen und hatte keine Lust auf Mittelmaß“, erzählt er. Deshalb organisierte er einen Zukunftskongress mit und für Unternehmer, den es nun seit 16 Jahren gibt. Sven baute das größte Zukunftsinstitut in Europa auf und gründete die „Rulebreaker Society“: „Dafür steige ich mit Topmanagern schon mal auf den Kilimandscharo.“

Wer Großes schaffen will, muss Regeln brechen

Ob „Rulebreaker“ oder „Organisations-Rebell“: Für Sven Gábor Jánszky sind das Menschen, die sich freiwillig in eine Krise stürzen, um mit Kraft und neuen Strukturen herauszukommen. Er hat ein Beispiel dafür: „Ich verbringe wegen meiner Vorträge 150 Nächte pro Jahr in Hotelzimmern. Dabei habe ich ein Muster entdeckt. Wenn ich abends ins Hotelzimmer komme, setze ich mich aufs Bett, schalte den Fernseher ein und nehme mir aus der Minibar eine Tafel Schokolade und eine Cola. Das macht überhaupt keinen Sinn und ist nicht gut für meinen Bauch. Ich habe mir dann vorgenommen, es nicht mehr zu tun. Doch beim nächsten Mal habe ich es genauso wieder gemacht. Dann habe ich nur noch Hotelzimmer gebucht, in denen vorher die Minibar ausgeräumt wurde. Ich habe mir das Muster genommen und dadurch ein neues Muster erarbeitet. Das ist ein winziges Beispiel, aber genau das ist Veränderung auch in der Unternehmenskultur.“

Fußballtrainer Thomas Tuchel als „Rulebreaker“

Sven: „Tuchel ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Strukturen aufbrechen kann. Der kam zum 1. FSV Mainz 05 in der ersten Bundesliga und stellte fest, dass alle Spieler nur eine Regel im Kopf haben. Immer wenn sie den Ball bekommen, spielen sie ihn longline nach vorne und flanken dann in die Mitte. Verbote brachten nichts. Deshalb hat Tuchel den Trainingsplatz verändert, die Ecken abgeschnitten und die Außenlinie ging direkt zum Tor. Jetzt konnten sie nicht mehr longline spielen und mussten es diagonal tun. Tuchel sagt, es dauert 90 Tage, bis Menschen, bei denen ein altes Denkmuster nicht mehr funktioniert, sich ein neues erarbeitet haben. Das ist die Aufgabe von Organisations-Rebellen.“

Wie es zur Marke „Rulebreaker“ kam

Sven: „Ich habe mich 2009 in einem Buchprojekt mit Innovatoren beschäftigt. Sie hatten alle eine Gemeinsamkeit: Sie haben gegen die ungeschriebenen Gesetze ihrer Branche verstoßen. Ich habe sie Rulebreaker genannt und daraus eine Marke gemacht. Und eine Beteiligungsgesellschaft, die in Rulebreaker-Startups investiert.“

Echte Rulebreaker findet man gerne im Sport, weiß Sven: „Früher sind die Skispringer von der Schanze gehüpft und hielten die Skier parallel. Das ging nicht anders. Dann kam ein verrückter Schwede, Jan Boklöv hieß er, der auf einmal die Skier spreizte. Der wurde gedisst und niedergemacht. Ein paar Jahre später hatte sich sein Regelbruch komplett durchgesetzt – ein klarer Musterbruch.“

Wie werden wir in Zukunft leben?

Im Organisationsrebellen-Talk hat Sven auch einen Blick in die Zukunft gewagt. Wie werden wir 2030, 2050, 2080 oder 2100 leben?: „Blockchain kann das neue Betriebssystem für Branchen, Städte und für Länder werden. Immortality, die Unsterblichkeit wird ein Thema. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass in den nächsten 100 Jahren Technologien entstehen wie Genanalyse, Genveränderung, Ersatzteilproduktion von menschlichen Organen, Einfrieren von menschlichem Gewebe und Organen und einer Art von Bewusstseins-Upload im Gehirn. Mein Sohn ist vermutlich einer, der nicht 100, sondern 250 Jahre alt wird.“

Sven Gábor Jánszky: „Facebook, Amazon und Google sind nicht mehr die jungen Wilden“

 „Bei allen Technologien, die erwachsen werden, gibt es irgendwann Regulatorik. Das ist völlig normal. Das sind ja nicht mehr die jungen Wilden. „Wild“ sind Genetik, selbstfahrende Autos, space travel, Immortality. Die jungen Wilden sind auch nicht im Silicon Valley, sondern in China. Die Blockchain Geschichten sind sehr oft in Berlin entstanden, Gen-Editing auf der ganzen Welt.

Inspiration durch Gorbatschow

Auf die Frage, wer ihn inspiriert hat, antwortet Sven Gábor Jánzky: „Michail Gorbatschow. Denn er hat es ermöglicht, dass Menschen wie ich, die aus dem Osten kommen, an Dinge denken, an die sie vorher nicht denken durften. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich vor ein paar Jahren, als wir bei unserem Kongress den Award an Greg Wyler verliehen haben. Der will den niederen Orbit mit einer Flotte von 648 Minisatelliten umspannen. Damit will er die gesamte Erde mit Internet versorgen. Ein gigantischer Markt. Von der Öffnung des Ostblocks waren 300 Millionen Menschen betroffen, von Greg Wylers Plan drei Milliarden.“

„Rulebreaker“ auch bei der Büroeinrichtung

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Eine Büroeinrichtung stellt man sich eigentlich anders vor. (Bild: © Stephan Grabmeier)

Abschließend habe ich mit Sven Gabor Janzsky noch eine Runde durch die alte Spinnerei gemacht. Die Leipziger Kunstszene um Neo Rauch hat hier Ateliers und Galerien. Für ein Zukunftsinstitut ein ganz inspirierender Platz. Auch hier hat Sven bewusst Regeln gebrochen und macht etwas anders: „Die Mitarbeiter haben die Aufgabe, sich alle zwei Stunden zu überlegen, was sie in den nächsten zwei Stunden machen wollen und sich einen Platz zu suchen, der dafür am besten geeignet ist.“

Es gibt sogar eine Pitchbühne im Zentrum des Büros, denn jeden Tag muss ein Mitarbeiter die anderen mit einem Thema konfrontieren, mit dem alle über den Tellerrand schauen sollen.

Mein Fazit: Svens Zukunftsinstitut macht erlebbar, wie Entwicklung, wie neue Strukturen gekonnt umgesetzt werden. Viele Unternehmen haben sich das auf die Fahne geschrieben. Sven macht es bereits. Ein wirklich echter Organisationsrebell. Danke Sven für das spannende Interview. Ich freue mich auf weiterhin viele Musterbrüche und Inspirationen von Dir.

Quelle Titelbild: © Stephan Grabmeier

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