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Über habgierige Manager, Banker und nötigen Kulturwandel in Unternehmen

„Banker kriegen den Hals nicht voll – ob sie dabei das Ersparte von Kunden aufs Spiel setzen, ist ihnen herzlich egal.“ So oder so ähnlich lauten die Vorurteile, die sich seit der globalen Finanzkrise über die Banker in der Bevölkerung breit gemacht haben. Eine experimentelle Studie unter der Leitung des Star-Verhaltensökonomen Ernst Fehr hat jetzt herausgefunden: So einfach ist es nicht. Banker sind nicht per se unehrlicher als andere Berufsgruppen. Der Schlüssel zu ehrlichem oder unehrlichem Verhalten liegt vielmehr in der Unternehmenskultur.

Egoistische Banker?

Wohl kaum eine Berufsgruppe hat in den vergangen sieben Jahren so an Ansehen verloren wie die der Banker. Geldgierig, betrügerisch, egoistisch und habsüchtig – das sind die Adjektive, mit denen sie in Umfragen und Medien bedacht werden. Die globale Finanzkrise, die mit dem Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers 2008 ihren Anfang nahm, wird zu großen Teilen den Bankern zugeschrieben, die ihren Hals nicht vollkriegen konnten. Statt auf Sicherheit zu gehen und sich an die Regeln zu halten, den Kunden und seine Interessen in den Mittelpunkt zu stellen, fanden Banker immer neue Möglichkeiten, Spekulationsblasen entstehen zu lassen, um für sich den größtmöglichen Gewinn herauszuholen, so die öffentliche Meinung. Auch die Wissenschaft hat sich in jüngster Zeit vermehrt mit der Rolle von Individuen in der Finanzkrise beschäftigt.

Kriminelle Machenschaften von Managern – so lange die Zahlen stimmen?

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Nichts als heiße Luft: Kulturwandel bei der Deutschen Bank. (Screenshot von https://www.db.com/cr/de/nachhaltiges-bankgeschaeft/)

Und auch die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit scheinen ins gleiche Horn zu stoßen: Die große Deutsche Bank steht seit Langem im Visier der Staatsanwaltschaft in hunderten Betrugsfällen um zig Milliarden Euro. Der Vorwurf unter anderem: Zinsmanipulationen im großen Stil – und der damalige Chef Anshu Jain soll davon gewusst haben. Schlimmer noch: Manipulationen seien stillschweigend in Kauf genommen worden sein, wenn sie der Gewinnmaximierung dienten, so ein Bericht des Handelsblatt. Der Kulturwandel, den sich die Deutsche Bank nach der Finanzkrise öffentlichkeitswirksam verordnet hatte, ist nichts als heiße Luft. Banker-Bashing – völlig zurecht?

Stammtischparolen auf dem Prüfstand

Stammtischparolen über gierige Banker sind Mainstream geworden. Aber eine wissenschaftliche Überprüfung dieser (Vor-)Urteile über eine ganze Berufsgruppe gab es bislang nicht. Das ändert sich gerade.

Während die Finanzmarkttheorie bisher von der (völlig veralteten) Theorie des Homo oeconomicus, also einem profitmaximierenden und allwissenden Akteur, der immer die beste Lösung für sich findet, ausging, der außerdem in einem perfekten Markt agiert, fließen in die neue Finanzmarkttheorie auch Erkenntnisse aus der Psychologie, der Neurologie und der Verhaltensforschung ein. Denn Menschen handeln meist alles andere als rational: Sie handeln altruistisch, trotzig und machen Fehler.

Das ist auch der Verdienst von Ernst Fehr, Professor für Mikroökonomik und experimentelle Wirtschaftsforschung am Department of Economics der Universität Zürich. Er forscht an der Schnittstelle von Betriebswirten, Politikwissenschaftlern, Psychologen und Neurologen. An Einfluss und Bekanntheit gewann er in der Scientific Community vor allem durch seine Experimente, die er als einer der ersten für wirtschaftswissenschaftliche und verhaltensökonomische Fragestellungen einsetzte. Ein solches Experiment führte er nun auch zusammen mit Michel Maréchal und Alain Cohn durch, um herauszufinden, was an der Mär vom gierigen Banker tatsächlich dran ist. Herauskam die Studie „Business culture and dishonesty in the banking industry“, publiziert in der renommierten Zeitschrift Nature.

Die Studie: Betrügen oder nicht betrügen?

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Wenn der Gewinn um jeden Preis die Unternehmenskultur bestimmt, dann ist Betrügen an der Tagesordnung. (Bild: © Jezper – Fotolia.com)

Die Forscher bildeten zwei Gruppen aus Probanden, alles Banker. Während in der ersten Gruppe den Probanden durch Kontrollfragen ihre Rolle als Banker nochmal in Erinnerung gerufen wurde, war dies bei der zweiten Gruppe nicht der Fall. Hier bezogen sich die Kontrollfragen auf Freizeitthemen. Alle sollten ohne Beobachtung eine Münze werfen – bei einem bestimmten Ergebnis (das ihnen jeweils vorher bekannt war), winkte eine Belohnung. Ein starker Anreiz, die Ergebnisse zu „beschönigen“ also.

Das Ergebnis: Die Probanden, die vorab an ihre Banker-Rolle erinnert wurden, betrogen signifikant häufiger um ihre Gewinne zu maximieren.

Lässt sich daraus nun schließen, dass Banker per se habgierig und egoistisch sind und ohne Rücksicht auf andere ihren Profit maximieren? Nein – denn die Kontrollgruppe verhielt sich ja korrekt, obwohl es sich auch hier um Banker handelte. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass die soziale Rolle und die mit ihr verbundenen Verhaltenserwartungen bestimmte Verhaltensweisen begünstigen. Bei Bankern scheint das vor allem das gierige Streben nach Profit zu sein – auch wenn man dafür unehrlich sein muss. Das wird begünstigt, flankiert und gestärkt durch die Unternehmenskultur – siehe Deutsche Bank: Wenn der Chef risikoreiches und kriminelles Verhalten duldet, ja sogar fördert, so lang es dem Profit dient, dann übernehmen dieses Verhalten auch die Mitarbeiter.

Nicht nur Banker betrügen

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Ob VW dieses Versprechen mit Martin Müller halten kann, muss sich erst noch zeigen. (Screenshot von http://info.volkswagen.de/de/de/home.html)

Dass der Hang zum Betrügen nicht eine besondere Charaktereigenschaft der Banker ist, sondern auch in anderen Unternehmen vorkommt, zeigt auch der aktuelle VW-Skandal: Über Jahre hinweg baute der deutsche Autokonzern in seine Dieselmodelle eine Software ein, die die Leistung des Fahrzeugs auf dem Prüfstand so drosselt, dass strenge Abgasvorschriften kurzfristig eingehalten werden.  Der VW-Konzern, der mittlerweile einräumen musste, dass die Betrugssoftware weltweit in elf Millionen Fahrzeugen verbaut wurde, muss nun mit Bußgeldern und Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe rechnen. VW-Chef Martin Winterkorn musste bereits seinen Hut nehmen. Nun ist es Aufgabe seines Nachfolgers Matthias Müller, den Ruf des Unternehmens zu retten und das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Ob das gelingt ist aber fraglich: Als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der VW-Tochter Porsche und enger Vertrauter von Winterkorn kann er wohl kaum frischen Wind in den Konzern bringen.

Kulturwandel – jetzt!

Was sollten Unternehmen und Banken also tun? Vor allem müssen sie den Kulturwandel ernst nehmen – und zwar nicht nur groß auf die Website schreiben und interne Hochglanzkampagnen durchführen, sondern tatsächlich leben und umsetzen – mit klaren Sanktionen und positiven Anreizen. Fehr nennt Gruppendruck, Whistleblowing und harte Konsequenzen bei Normverletzungen (also Entlassungen) als probate Möglichkeiten, um die Unternehmenskultur dahingehend zu verändern, dass sie Ehrlichkeit und korrektes Verhalten honoriert und fördert. Nur wenn das gelingt, dann besteht auch die Chance, dass das Vertrauen in die Banken und in die Banker sowie Manager aller Unternehmen wieder wächst. Und das ist bitter nötig: Denn Vertrauen ist die wirkliche Währung in der Wirtschaft.

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Stephan Grabmeier
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3 Kommentare zu “Über habgierige Manager, Banker und nötigen Kulturwandel in Unternehmen

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