Ein Baum wird gepflanzt Close-up auf Haende
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Googelst Du noch oder suchst Du schon nachhaltig?

Der 150 Millionste gepflanzte Baum von Ecosia Anfang Juni hat mich inspiriert, die nachhaltige Suche im Internet auf den Green Radar zu nehmen.

Seit es Menschen gibt, müssen wir mit Mysterien und Unkenntnis leben. Mit der Suche nach Lösungen zu Fragen, die wir nicht selbst beantworten können. Seit April 1998 hat Google hat eine Welt erschaffen, in der nahezu jedes Wissen verfügbar ist. Jederzeit, an jedem Ort. In einem einfachen Eingabefeld. Der Wert, den Google für uns Menschen geschaffen hat, ist nicht das Suchen – sondern das Finden. Aber wie nachhaltig ist die Suche mit der Suchmaschine Nummer 1 und gibt es Google Alternativen?

Zwei Google Suchanfragen oder ein Liter heißes Wasser?

Google kann unter vielen Gesichtspunkten betrachtet werden. Für SEO-Agenturen sind die Rankings für einzelne Keywords der wichtigste Aspekt der Suchmaschine. Für User hingegen sind es die Suchergebnisse und deren Qualität.

Uns alle interessieren sollte es aber, wie nachhaltig Suchen im Internet ist und ob der Marktführer auch die Innovationsführerschaft in der Nachhaltigkeit hat.

Alex Wissner-Gross, ein US-amerikanischer Physiker aus Harvard, kam in einer seiner Studien zum Schluss, dass eine Suchanfrage bei Google indirekt 7 Gramm CO2 produziert. Um es weniger abstrakt zu beschreiben, stellt Wissner-Gross den Vergleich an, dass zwei Suchanfragen bei Google in etwa dem Aufkochen eines Liter Wasser entsprechen.

Siegfried Behrendt vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin errechnete zudem einen Stromverbrauch für das Suchen von vier Watt Strom pro Stunde: Das entspricht dem Verbrauch einer LED-Energiesparlampe, die eine Stunde lang brennt.

Der Suchmaschinenkonzern reagiert auf diese Fakten mit der Aussage, dass man sich dieser Problematik bewusst sei und deshalb viel in Energiesparmaßnahmen investiert habe. So seien die Datencenter von Google die energiesparsamsten der Welt. Im Nachhaltigkeitsbericht von Google ist zu lesen. „2017 waren wir das erste Unternehmen unserer Größe, das 100 % seines weltweiten jährlichen Stromverbrauchs mit erneuerbarer Energie ausglich. Unser Ziel ist es, bis 2030 komplett auf kohlenstofffreie Energie umzusteigen und diese überall und rund um die Uhr zu nutzen.“

Das liest sich ganz nett. Ambitioniert und verantwortungsvoll im Sinne der Enkelfähigkeit ist jedoch anders. Zumal klimaneutral deutlich zu ist – CO2 negativ müsste der Anspruch sein. Mit diesem Ziel und Anspruch ist Google in Sachen Nachhaltigkeit nicht in der Leading Edge Position.

Es gibt eine Menge guter Alternativen

Ich habe vor einigen Jahren nach Lösungen gesucht, wie ich mich klimafreundlich im Internet bewegen kann. Vor vier Jahren habe ich mich entschieden, Ecosia auf all meinen Endgeräten als Suchmaschine zu nutzen.

Alternativen für Google als Suchmaschine gibt es viele. Hier einige Beispiele, die einer näheren Betrachtung lohnen:

  • Qwant.com: die sichere EU-Suchmaschine mit Ökostrom und erhöhter Sicherheit der Privatsphäre
  • Ekoru: aus Wasserkraft betriebene Rechenzentren, 60% der Einnahmen fließen in das Ziel, die Ozeane zu säubern
  • Lilo: gleicht durch Klimakompensation aus, 50% der Einnahmen werden an soziale Projekte gespendet

Spezielle Suchmaschinen für nachhaltige Unternehmen sind z. B.

  • TreeDay.net: ein nachhaltiges Branchenbuch das sich auf das Finden nachhaltig bewerteter Unternehmen spezialisiert hat (Partner von Utopia)
  • Greenya.de – die grüne Suchmaschine, ähnelt Treeday aber ohne Nachhaltigkeitsbewertungen
  • CodeCheck.info: Suchmaschine für Inhaltsstoffe, zeigt Inhaltsstoffe mit schädlichem Potenzial an
  • GoodJobs.eu: Suchmaschine für grüne Jobs, die Pioniere für Jobs mit Sinn in
    der Nachhaltigkeit

Was macht Ecosia aus?

Ende 2018 habe ich meine Suchen im Internet komplett zu Ecosia verlagert. Warum? Weil Ecosia besser ist: für die Umwelt, für die Privatsphäre und weil der Purpose des Unternehmens dem des enkelfähigen Wirtschaftens entspricht. Dazu kommt: Die Suchergebnisse sind nicht schlechter als bei Google. Ich habe es zu Beginn oft verglichen, es gibt keinen Qualitätsverlust. Daher gab es für mich keinen Grund, nicht zu Ecosia zu wechseln.

Ecosia wurde 2009 in Berlin gegründet und war eine der ersten B Corporations in Deutschland. Anfang Juni hatte das Unternehmen seit seinem Bestehen über 150 Millionen Bäume in über 30 Ländern gepflanzt – generiert durch Suchanfragen im Internet. Über 20 Millionen Menschen nutzen heute Ecosia. Die Technologie hinter Ecosia ist Bing von Microsoft.

Das ethische Business Modell der Suchmaschine ist einfach:

  1. User nutzen Ecosia für Suchen im Web
  2. Die Suchanzeigen generieren Einnahmen für Ecosia
  3. Ecosia verwendet diese Einnahmen, um Bäume zu pflanzen

Jede 1,3 Sekunden wird ein Baum gepflanzt. Bisher wurden über 36 Millionen Euro in die Aufforstung investiert. Der Betrieb der Serverinfrastruktur erfolgt zu 100% aus erneuerbaren Energien und aus eigens produziertem Solarstrom.

Quelle: Ecosia / YouTube

Das Unternehmen will nicht nur klimaneutral sein, sondern CO2 negativ. Und hier liegt ein wichtiger Unterschied. Viele Unternehmen behaupten, „klimaneutral“ zu sein, während sie ihre eigenen toxischen Emissionen durch den Kauf billiger, nutzloser Emissionsgutschriften „ausgleichen“. Solange sich diese Unternehmen nicht ernsthaft um Klimaneutralität bemühen, müssen wir anderen nicht nur Klimaneutralität erreichen, sondern darüber hinausgehen.

Anders ausgedrückt: Wir müssen dem Planeten mehr zurückgeben, als wir nehmen. Wir müssen regenerieren. Diese Logik gilt für jeden einzelnen und alle Unternehmen. Ecosia lebt es bereits vor.

Die Suchmaschine erzeugt nicht nur genug Energie für alle Suchanfragen, sondern doppelt so viel Energie, sodass mehr erneuerbare Energie und damit weniger fossile Brennstoffe ins Stromnetz gelangen. Auf diese Weise neutralisiert jede Suchanfrage über Ecosia ca. 0,5 kg CO2.

100 % der Gewinne gehen in die Rettung des Planeten

In ihrem Manifest beschreibt es Ecosia eindeutig.

„Vergesst 1%. Wir verwenden unseren gesamten Gewinn für die Regeneration unseres Planeten. Wir haben sogar einen rechtsgültigen Vertrag unterschrieben, in dem wir uns verpflichten, unserem gemeinnützigen Zweck für immer treu zu bleiben. Ecosia kann nicht verkauft werden (sorry, Elon) und Ecosia kann keine Gelder aus dem Unternehmen entnehmen. Die Gewinne aus Suchanfragen kommen keinen Aktionären zugute, sondern unserer Erde.“

Manifest von Ecosia

Das Unternehmen ist neben dem Label als B Corporation auch eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das in die neue Rechtsform des Verantwortungseigentum durch die Purpose Stiftung gegangen ist. Enkelfähiges Wirtschaften drückt sich auch dadurch aus.

Eine andere Zukunft ist möglich

Ich nutze Ecosia täglich und pflanze nebenbei viele Bäume. Ohne dass ich es merke, ohne Aufwand und mit großer Freude, den Planeten mit dieser Kleinigkeit zu unterstützen. Ich sehe täglich meinen kleinen Baumzähler rechts oben im Browser. Der zeigt mir an, wie viele Bäume ich gepflanzt habe.

Je mehr Spaß es macht, Ecosia zu verwenden, umso mehr Menschen werden den Schritt wagen und Tag für Tag einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und das wird große Auswirkungen haben. Würden alle von Google zu Ecosia wechseln, könnte das Unternehmen 300 Milliarden Bäume anpflanzen – und zwar jedes Jahr! Und würde Google genauso viel in erneuerbare Energien investieren wie Ecosia, hätten sie bereits ausreichend grüne Kapazität aufgebaut, um Kohle, Gas und Braunkohle zur Gänze zu ersetzen. Let’s go, Google.

Eine andere Zukunft ist möglich. Wir können Sie gemeinsam ändern, jeder einzelne von uns, mit jeder Suchanfrage. Anfangen lohnt sich. Jetzt.

Quelle Titelbild: © EduardSV | stock.adobe.com

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