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„Business-Rebellen! – Der Talk“ #19 mit Brigitte Zypries

Brigitte Zypries, 64, ist die einzige Frau in Deutschland, die drei Führungspositionen auf Bundesebene inne hatte. Nach 60 Jahren männlicher Amtsträger war sie ebenfalls die erste Bundeswirtschaftsministerin. Bereits 1998 hat Brigitte Zypries die digitale Infrastruktur der Bundesregierung auf den Weg gebracht. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 2017 unterstützt und berät sie tatkräftig Tech-Gründerinnen in ihrer Selbstständigkeit. Obendrein bastelt Brigitte Zypries gerade selbst an einer Start-up-Idee. Grund genug für mich, sie zum Business-Rebellen-Talk zu treffen. Eine Gesprächspartnerin aus der Politik ist für mich eine Premiere. Im Kienbaum Office in Berlin haben wir unter anderem über ihre politische Karriere, ihr Engagement für Gründerinnen, die eigene Start-up-Idee sowie ihren größten Fehler gesprochen. Und Brigitte Zypries hat mir natürlich verraten, welcher Rebellen-Typ sie ist.

Brigitte Zypries über ihre Regierungsarbeit…


Wir Sozialdemokraten haben das Land in den letzten 20 Jahren stark geöffnet. Das ist auch Gerhard Schröders Verdienst. Oftmals ging es uns um die Verwirklichung von Dingen, die den Menschen ein leichteres und offeneres Leben erlauben. Beispielsweise die Anerkennung der Rechte der Homosexuellen. Wir haben hier sehr früh die Lebenspartnerschaft eingeführt, die damals sehr umstritten war. Zudem haben wir zahlreiche Initiativen gestartet, zum Beispiel „Recht auf einen Kindergarten“ zur Verbesserung der Kinderbetreuung. Durch die Gesetze, die ich als Justizministerin eingebracht habe, habe ich daran auch meinen Anteil. Und das gilt gleichzeitig auch für Initiativen bei meiner Arbeit im Wirtschaftsministerium, die wir gestartet haben.

Brigitte Zypries
Brigitte Zypries, Bundesministerin außer Dienst und Startup-Gründerin. (Bild: © Andreas Amann)

Über ihre ungeplante, einzigartige Karriere…
 


Das war resümierend schon eine bemerkenswerte politische Karriere. Ganz ohne Eigenlob, weil es objektiv so ist: Ich glaube, es gab niemanden außer mir, der alle drei Leitungspositionen auf Bundesebene inne hatte. Ich war beamtete Staatssekretärin, parlamentarische Staatssekretärin und zweimal Ministerin in zwei verschiedenen Häusern. So häufig gibt’s das nicht. Und ganz ehrlich: Das hatte ich mir auch nicht so vorgestellt, als ich mit dem Jura-Studium begonnen hatte.

Über ihren Vater und Gerhard Schröder…

Persönlich sehr geprägt hat mich mein Vater. Er war die starke Person in unserer Familie. Von ihm habe ich die Courage mitbekommen, mich einfach mal Dinge zu trauen. Was das politische Arbeiten anbelangt, habe ich am meisten von Gerhard Schröder gelernt. Er hat mir in meiner Arbeit einiges an Freiraum gelassen. Und wenn mal was in die Binsen gegangen ist, stand er zuverlässig zu einem. Zudem hatte einen sehr diskursiven Stil, das habe ich sehr geschätzt. Bei ihm habe ich mir viel abgeschaut, was mich auch geprägt hat.

Welche drei Hashtags Brigitte Zypries und ihr Leben am besten beschreiben…
 


Zunächst denke ich an den Hashtag „Starke Frauen, starkes Leben“. Das ist Abwandlung meiner Initiative „Starke Frauen, starke Wirtschaft“. Dann würde ich meinen anderen Wahlspruch ebenfalls in einen Hashtag verwandeln: „Wenn Du ein Angebot bekommst, dann spring auch“. Damit meine ich eine gewisse Courage, sich Dinge zuzutrauen und Chancen wahrzunehmen. Denn Talent alleine reicht oft nicht aus, das gilt insbesondere für Frauen. Und der dritte ist „Vergiss das Genießen nicht“. Bei all der Arbeit sollte man auch auf sich achten und es sich gut gehen lassen. Das muss sein.

„Business-Rebellen! - Der Talk“ #19 mit Ex-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries

Quelle: Kienbaum / Youtube

Über ihre eigene Start-up-Idee…

Die Altersvorsorge von Frauen war für mich immer schon ein wichtiges Thema. Die Verwaltung der Finanzen ist oft immer noch Sache des Mannes. Doch was, wenn ihm was passiert oder die Ehe scheitert? Dann stehen Frauen schnell vor großen Herausforderungen. Daher überlege ich aktuell, was man hier Sinnvolles tun kann. Dazu bin ich beispielsweise mit den Finanzheldinnen im Gespräch. Vielleicht können wir gemeinsam etwas entwickeln. Meine Idee ist, dass man diese vielen Sammel-Bonuspunkte auch vermögenswirksam anlegen kann — und nicht nur im Kauf von Teflon-Pfannen. Die braucht man nicht andauernd neu.

Über ihr Engagement bei der Gründerinnen-Förderung…

Neulich habe ich den ADA-Gründerinnen-Preis mit überreicht und den Mädels angeboten, sie können mich gerne um Rat fragen. Die Gewinnerin kam dann auch tatsächlich und wir haben uns anderthalb Stunden gut unterhalten. Ich glaube, ich konnte ihr ein paar ganz hilfreiche Tipps mitgeben. Denn oft ist es so: Das sind junge Leute mit richtig tollen Ideen. Aber sie kennen sich beispielsweise mit den ganzen Verwaltungsanforderungen nicht aus. In solchen Fällen kann ich dann sagen: Kommt, wir gehen zusammen zum Regierungspräsidenten und besprechen das mal — damit das alles für sie durchschaubarer wird. So können sie es besser händeln und das nützt dann im Einzelfall schon sehr.

Welcher Rebellen-Typ sie ist…

Ich würde mich selbst nicht als klassische Rebellin sehen. Als Ministerin bin ich natürlich in die Politik gegangen, um Dinge zu verändern. Ich bin aber eher jemand, der innerhalb der Strukturen Veränderungen bewirkt hat. Unter einem klassischen Rebellen verstehe ich eher jemanden, der außerhalb von den gängigen Strukturen agiert. Das war bei mir so nicht der Fall, sondern ich habe das immer innerhalb dieser gemacht. Sicherlich bin ich dabei manchmal auch unkonventionell zu Werke gegangen oder habe mal den Stachel ausgefahren. Vielleicht könnte man mich daher als stille und systemverändernde Rebellin bezeichnen.

Was man von Brigitte Zypries lernen kann…

Viele sagen immer, man kann gut von mir lernen, wirklich Dinge anzupacken und schnell umzusetzen. Ich glaube, man kann von mir auch lernen, wie man Menschen zusammen bringt und auf diese Weise besser wird. Einfach, weil einer alleine nicht so gut sein kann wie ein Team ist. Zudem kann ich ganz gut organisieren und unkonventionelle Lösungen finden. Bei der Flutkatastrophe 2002 oder dem ICE-Unglück 1998 in Eschede konnten wir das unter Beweis stellen. Das haben wir sehr schnell und unbürokratisch gemanagt.

Über ihren bislang größten Fehler im Berufsleben…

Einen Karriere-Fehler in dem Sinne gibt es nicht. Aber natürlich gab es projektbasiert Dinge, die man hätte geschickter anstellen können. Am Anfang meiner Zeit als Bundesjustizministerin habe ich versucht, eine Meldepflicht für Mitarbeiterinnen in KITAs einzuführen. Dabei ging es um sexuellen Missbrauch. Das war ein wichtiges Thema für uns. Wir wollten die Kinder besser schützen. Damit bin ich aber krachend gescheitert, weil es seitens der Einrichtungen massiven Widerstand gab. Das kam für sie nicht in Frage, weil sie das Vertrauensverhältnis zu den Eltern gefährdet sahen. Das mussten wir dann akzeptieren.

Über ihren Lieblingsort…

Ich setze mich gerne in Cafés. Dann bestelle ich mir einen Kaffee, gucke mir die Leute an und checke eine Runde E-Mails. So habe ich eine Dreiviertelstunde Ruhe. Das finde ich sehr angenehm. Wenn ich im Ausland bin, schaue ich immer nach Haushaltswarengeschäften. Da spiegelt sich für mich das wirkliche Leben wider. Und manchmal findet man etwas tolles Neues. Das finde ich immer interessant. In New York habe ich zum Beispiel einen Zitrusschäler gefunden. Ich bin ja begeisterte Marmeladen-Kocherin, daher brauche ich sowas.

Wo Brigitte Zypries am besten entspannen kann…


Entweder fahre ich ein Wochenende weg oder ich gehe zum Wellness. Innerhalb Berlins gibt’s einige tolle Spa-Einrichtungen. Das macht schon mal einen Unterschied und Ausgleich zum Alltag. Wenn man einen Tag dort verbracht hat, ist es sehr entspannend. Ich kann dort gut abtauchen. Und was auch immer hilft, ist mit Freunden quatschen und gemeinsam etwas Leckeres essen. Genießen und es sich gut gehen lassen, das ist einfach wichtig.

Liebe Brigitte, vielen Dank für das tolle Gespräch und weiterhin viel Tatkraft bei all dem was Du bewegst. Ich freue mich, wenn ich zu dem ein oder anderen Thema unterstützen kann.

Quelle Titelbild: © Stephan Grabmeier

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