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„New Work ist mehr als nur Tischkicker aufzustellen“ – Organisationsrebellen-Talk #12 – mit Tijen Onaran, Global Digital Women

Im Rahmen des ersten #GlobalAfterworkNRW am 15.01.2018 bei uns im Kienbaum-Headquarters in Köln habe ich Gründerin Tijen Onaran zum Organisationsrebellen-Talk #12 getroffen. Sie hat die Initiative „Women in Digital“ vor zwei Jahren ins Leben gerufen, die erst vor knapp einem Monat zu „Global Digital Women“ wurde. Es ehrt mich sehr, dass Tijen bei mir öffentlich das erste Mal über die neue Initiative sprach. Wir haben uns dabei unterhalten, was für sie „New Work“ bedeutet, über die Macht von Frauen-Netzwerken und wer ein/e echter Organisationsrebell/in ist. 

Tijen Onaran: Netzwerkerin, Unternehmerin, Moderatorin, Speakerin

Tijen Onaran ist eine begnadete Netzwerkerin, die als Unternehmerin, Moderatorin, Speakerin und Kolumnistin arbeitet. Bereits mit 20 Jahren kandidierte sie für die FDP und unterstützte im Bundestags- und Europawahlkampf Guido Westerwelle und Silvana Koch-Mehrin. So hat sie schon früh von großen Playern in der Politik gelernt. Vor zwei Jahren machte sie sich mit ihrer PR-Beratung „startup affairs“ selbstständig.

Der Name ist Programm: „Ich habe gesehen, dass Start-ups einen großen Bedarf an Beratung haben und ich war selbst ein Start-up“, erzählt sie im Talk. Heute berät sie große Unternehmen und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Quasi „nebenbei“ hat sie aus ihrer Leidenschaft Menschen zu vernetzen noch ihre „Herzensprojekte“ wie das internationale Netzwerk für Frauen aus der Digitalbranche „Global Digital Women“ gegründet.

Organisationsrebellen lieben das Risiko und wollen Verantwortung übernehmen

Wie in jedem meiner Talks bitte ich Tijen den Satz „Organisationsrebellen sind für mich…“ zu vervollständigen. Ihre Antwort: „Rebellen sind die Botschafter von New Work.“ Eine klare Botschaft.

Sie erklärt mir, wie wichtig es für Rebellen sei, frei und selbstverantwortlich zu entscheiden: „Sie wissen, dass ihre Entscheidungen nachhaltig sind.“ Daher sei ein echter Organisationsrebell immer ein Risiko-affiner Typ.

Tijens Gedanken erinnern mich an das Gespräch mit Steffi Czerny, die ich für meinen Organisationsrebellen-Talk #11 interviewt habe. Die DLD-Chefin hatte ebenfalls den Wert von Freiheit und Verantwortung betont.

Ihre Antwort auf meine Frage, ob Tijen selbst eine Rebellin sei: „Ich habe immer in Positionen und Institutionen gearbeitet, in denen ich eher die Rolle eines Satelliten hatte. So konnte ich meine eigenen Ideen und Ansätze verfolgen.“ Dabei habe sie immer Vorgesetzte gehabt, die sie extrem gefördert und gefordert haben. Tijen Onaran: „Wenn es nicht funktioniert hat, wusste ich, dass die Organisation nicht zu mir passt oder ich nicht zur Organisation.“

Ihr Tipp für Rebellen: „Wenn Ihr merkt, dass Ihr euch so ändern oder anpassen müsst, dass die Aufgaben und die Rolle nicht mehr zu Euch passen, dann geht lieber einen anderen Weg. Fragt Euch: Wo kann ich mich verwirklichen? Wo kann ich neue Ansätze angehen?“

 

Für mich wird im Gespräch klar: Tijens Weg hat sie zu einer echten Botschafterin von New Work gemacht. Doch was genau ist New Work für sie? „Jedenfalls mehr als ein hipper Tischkicker, mit dem man auf Start-up macht.“

„New Work, das bedeutet für mich, dass Unternehmen ihre Strukturen so anpassen müssen, dass sie den unterschiedlichen Charakteren ihren Raum lassen“, erklärt sie. „Denn in den meisten Unternehmen kommen Menschen mit dem Wunsch nach hierarchischer Struktur und Menschen mit großem Freiheitsdrang zusammen.“

New Work bedeutet: Generalisten sind gefragt!

Tijen erklärt, worauf es wirklich bei „New Work“ ankommt. Tijen Onaran: „Generalisten sind gefragt. Wer im Marketing arbeitet, muss einen ITler verstehen – und umgekehrt.“

Der Wandel in den Unternehmen bedeutet für Tijen Onaran: Begegnungsräume und neue Formate müssen her: „Die Otto-Gruppe hat als ehemals tradiertes Unternehmen beispielsweise die Fuck-up Nights ins Leben gerufen, hier berichten Führungskräfte von ihrem Scheitern – und das kann sehr inspirierend für die Mitarbeiter sein.“ So entstehen Musterbrüche, die für den Wandel so wichtig sind.

Die Digitalisierung und „Male Heroes“ eröffnen Chancen für Frauen

Tijens Mission: Frauen. „Ich versuche all die tollen Frauen sichtbar zu machen, zu empowern.“ Vergangenes Jahr war sie eine von 47 Frauen aus 47 Ländern in einem internationalen Leadership Programm und 3 Wochen mit dieser Community in den USA unterwegs. „Wir haben dabei festgestellt, dass die Themen weltweit gleich sind.“ So wurde aus Women in Digital in 2018 neu Global Digital Women. Mit ihrem Netzwerk möchte sie vor allem die Sichtbarkeit von Frauen erhöhen und die Angst vor dem Scheitern nehmen. Ihre Vision für 2018: Sie möchte neben vielen lokalen Vernetzungsevents und Awards erstmals inspirierende Menschen für einen Global Summit nach Deutschland holen und miteinander vernetzen.

Tijen in meinem Organisationsrebellen-Talk: „Zum Start haben wir uns in einer bunten Mischung aus Politikern, Unternehmern und Medienschaffenden monatlich getroffen und der Kreis wuchs und wuchs.“ Die Schnittmenge bei allen, abgesehen davon, dass sie Frauen waren? Die Digitalisierung.

20.000 Frauen hat WIDI mit ihren Aktionen – unter anderem auf Social Media und bei Events – in den vergangen zwei Jahren erreicht. In Berlin, Hamburg, München und NRW gibt es mittlerweile die sogenannte After Work-Reihe. Dort sind die Frauen bei Unternehmen zu Gast, die Einblicke in ihre Arbeit geben. Auch bei Kienbaum waren die WIDI-Frauen schon. Und so ganz männerfrei ist das Frauennetzwerk auch nicht (mehr). Nicht nur ich als male feminist unterstütze (wie auch andere Frauennetzwerke z.B. FidAr e.V.) diese Initiative. Auch als Kienbaum sind wir enger Partner und werden zukünftig noch mehr miteinander arbeiten. Diversity und Gleichberechtigung geht alle an, das sollte mittlerweile jeder Macho verstanden haben.

Auch Tijen ist überzeugt: „Wir brauchen diese Male Heroes, denen die Themen Gleichberechtigung, Empowerment und Diversity wichtig sind, um diese mit uns gemeinsam voranzutreiben.“

Social Media demokratisiert unsere Gesellschaft und macht Frauen sichtbar

Tijen erklärt mir im Talk, dass sich bei der Frauenförderung sehr viel verbessert habe: „Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Social Media unsere Gesellschaft demokratisiert. Du kannst nach außen sichtbar sein, du hast eine Stimme. Ich beobachte, dass eine neue Generation von Frauen nachkommt mit einem neuen Mindset, die diese Kanäle nutzen.“

Durch diese externe Sichtbarkeit entsteht auch eine interne Sichtbarkeit, etwa in den Unternehmen. Und das bringt über kurz oder lang mehr und mehr Frauen in Führungspositionen.

Unterm Strich „eine riesengroße Chance für Rebellinnen. Sie haben den Rückenwind der Unternehmen und können gleichzeitig alles nutzen, was es da draußen an Tools gibt.“

Einen ganz besonderen Rat hat Tijen Onaran abschließend für alle Zuschauerinnen meines Talks: „Sei unabhängig von einem Mann, sei unabhängig vom Staat.“ Diesen Rat haben Tijen Onaran ihre Eltern mitgegeben. Denn ihnen war und ist das Thema Freiheit und Verantwortung genauso wichtig wie ihrer Tochter. Ich wünsche Dir Tijen weiterhin alles Gute und freue mich Dich weiterhin als enger Netzwerpartner zu unterstützen.

Dieser Beitrag ist Teil der Organisationsrebellen-Blogparade von Haufe-Vision.

Alle Bildrechte: Stephan Grabmeier

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